Widerstandsklassen RC
RC steht für Resistance Class und bezeichnet die Widerstandsklassen geprüfter Bauteile nach SN EN 1627. Welche Klasse in der Schweiz wohin gehört, sagt eine Broschüre des Vereins Sicheres Wohnen Schweiz in Olten vom März 2026: Für den Wohn- und Geschäftsbereich empfiehlt sie RC 2 und RC 3.
Kurzfassung
- RC löst sich auf als Resistance Class. Die Reihe läuft von RC 1 N über RC 2 N, RC 2, RC 3 und RC 4 bis RC 5/6, und jeder Klasse ist ein Sicherheitsbedürfnis zugeordnet.
- Eingeteilt werden können Fenster, Türen, Schiebetüren und Schiebefenster, Gitter, Rollläden und Rollgitter sowie Fassadenelemente. Die Klasse hängt am Bauteil und an dessen Prüfung.
- Was eine Klasse an Prüfzeit, Werkzeug oder Kraft verlangt, steht im kostenpflichtigen Normvolltext und deshalb nicht auf dieser Seite.
- Für den Wohn- und Geschäftsbereich nennt die Broschüre RC 2 und RC 3, bauteilbezogen für Fenster und Fenstertüren ebenso wie für Türen, in der Gesamtübersicht auf Seite 24 zusammen mit SN EN 1627.
In der Schweiz
Die Klassenreihe selbst ist europäisch. Die Frage, welche Klasse an welche Öffnung gehört, beantwortet dagegen in jedem Land eine andere Stelle. In der Schweiz beantwortet sie die Broschüre «Gegen Einbruch kann man sich schützen», Untertitel «Einbruchhemmende Massnahmen», 24 nummerierte Seiten, herausgegeben im März 2026 vom Verein Sicheres Wohnen Schweiz in Olten und illustriert mit Zeichnungen der Kantonspolizei Zürich. Die Kantonspolizei Zürich verlinkt sie als Empfehlungen zur Einbruchprävention und Sicherungstechnik, die Polizei Kanton Solothurn führt sie als Ratgeber. Der Herausgeber besteht nach Art. 1 seiner Statuten vom 5. Juli 2018 als Verein im Sinne von Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuchs. Die Trägerin der Empfehlung ist damit privatrechtlich, ihre Verbreitung polizeinah. Ob daneben eine zweite, von einer Behörde oder einem Fachverband publizierte Zuordnung von Widerstandsklassen zu Einsatzbereichen besteht, wurde am 28. August 2026 an drei Stellen geprüft: in den Vorschriften und Publikationen der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen, in den Präventionspublikationen der Schweizerischen Kriminalprävention und beim Verband für Einbruch- und Gebäudeschutz Schweiz. Keine dieser drei Stellen publiziert eine solche Zuordnung; die Schweizerische Kriminalprävention spricht in «Riegel vor!» von Juni 2021 allgemein von verbindlichen Einbruchschutznormen und Widerstandsklassen, ohne die Klassen einzeln zu benennen. Eine publizierte Schweizer Einsatzempfehlung zu RC führt damit auf diese eine Broschüre zurück. Unklar ist deswegen nicht der Status der Klassen selbst, denn SN EN 1627 ist als Schweizer Norm eingeführt und seit dem 1. Januar 2022 in der Ausgabe von 2021 gültig.
Was die zwei Buchstaben ordnen
Die Broschüre führt den Begriff in einem Satz ein, wörtlich: «Mit der Nennung von Problem- und Lösungsbeschreibungen empfehlen wir den Einbau von geprüften Bauteilen. Solche werden in Widerstandsklassen (RC = Resistance Class) eingeteilt.» Geordnet wird also nicht ein Haus, nicht eine Wohnung und nicht eine Montage, sondern ein einzelnes geprüftes Bauteil.
Welche Bauteile das sein können, zählt sie ausdrücklich auf, wörtlich: «Folgende Produktgruppe können in Widerstandsklassen eingeteilt werden: Fenster, Türen, Schiebetüren und Schiebefenster, Gitter, Rollläden und Rollgitter, Fassadenelemente.» Alles, was an einer Fassade sonst noch verbaut ist, trägt keine Widerstandsklasse, weil es keine Bauteilgruppe ist, für die eine vorgesehen wäre.
Dazu kommt eine Bedingung, die den Begriff überhaupt erst hart macht, wörtlich: «Nur geprüfte Produkte dürfen die Bezeichnung «RC» tragen.» Ein Bauteil ohne Prüfung hat deshalb keine niedrige Klasse, es hat gar keine. Werbeworte wie einbruchsicher, verstärkt oder besonders stabil sind keine Klassenangaben, und sie werden auch nicht dadurch zu einer, dass sie neben einer Klassenbezeichnung stehen.
Die Reihe von RC 1 N bis RC 5/6
Die Tabelle der Broschüre stellt jeder Klasse ein Sicherheitsbedürfnis und einen Bereich gegenüber, für den sie gedacht ist. Unten steht RC 1 N mit dem Sicherheitsbedürfnis «Grundsicherheit», vorgesehen für, wörtlich, «Vom Boden her nicht erreichbare und nicht erkletterbare Bereiche, kein Schutzbedarf». Darüber folgt RC 2 N, geführt als «Standardsicherheit (ohne Sicherheitsverglasung)» für «Bereiche mit geringem Schutzbedarf, vom Boden her nicht erreichbar».
RC 2 heisst «Standardsicherheit (Wohnbereich)» und ist der Klasse nach für «Bereiche mit normalem Schutzbedarf (ebenerdig oder erkletterbar)» gedacht. RC 3 trägt «Erhöhte Sicherheit (gehobener Wohnbereich, Geschäftsbereich)» und gilt für «Bereiche mit erhöhtem Schutzbedarf (ebenerdig oder erkletterbar)». Darüber liegen RC 4 als «Hohe Sicherheit» für «Bereiche mit hohem Schutzbedarf (ebenerdig oder erkletterbar)» und zuoberst RC 5/6 als «Sehr hohe Sicherheit» für «Bereiche mit sehr hohem Schutzbedarf».
Auffällig an dieser Reihe ist, woran sie sich orientiert. In fast jeder Zeile entscheidet nicht der Wert hinter der Öffnung über die Klasse, sondern die Lage des Bauteils: ob es vom Boden her erreichbar ist und ob man hinaufklettern kann. Dasselbe Gebäude kann darum an verschiedenen Öffnungen in verschiedenen Klassen liegen: Ein Kellerfenster im Lichtschacht wird anders eingeordnet als eines im dritten Obergeschoss.
Massgebend ist in dieser Tabelle die Lage des Bauteils: ob es vom Boden her erreichbar und ob es erkletterbar ist.
Prüfdauer, Werkzeugsatz und Kraft bleiben im gekauften Text
Definiert sind die Klassen nicht in der Broschüre, sondern in SN EN 1627, der Norm für die Einbruchhemmung von Türen, Fenstern, Vorhangfassaden, Gitterelementen und Abschlüssen. Ihr Volltext ist kostenpflichtig und wurde für dieses Lexikon nicht erworben.
Was eine Widerstandsklasse an Prüfdauer, an zugelassenem Werkzeugsatz oder an aufgebrachter Kraft verlangt, steht dort und in keiner frei zugänglichen Schweizer Quelle. Auf dieser Seite steht deshalb keine solche Zahl. Wo eine Ratgeberseite eine nennt, ohne die Ausgabe und die Stelle der Norm anzugeben, aus der sie stammt, ist sie nicht überprüfbar.
Für den Kaufentscheid fehlt dadurch wenig. Die Bezeichnung der Klasse, das ihr zugeordnete Sicherheitsbedürfnis und das bestandene Prüfverfahren dahinter sind frei belegt. Und ob ein konkretes Element seine Klasse trägt, steht ohnehin nicht in der Norm, sondern in dessen Prüfzeugnis.
RC 2 und RC 3 im Wohn- und Geschäftsbereich
Die Broschüre bleibt nicht bei der Tabelle stehen, sondern greift zwei Klassen heraus, wörtlich: «Geprüfte Produkte der Klassen RC 2 und RC 3 sind im Wohn- und Geschäftsbereich für einen wirksamen Einbruchschutz empfehlenswert.» RC 4 und RC 5/6 stehen in der Reihe, tauchen in dieser Empfehlung aber nicht auf.
Bauteilbezogen wiederholt sie dieselbe Spanne. Bei Fenstern und Fenstertüren steht wörtlich «Empfehlung: Widerstandsklasse RC2 oder RC3», bei Türen in derselben Form «(Widerstandsklasse RC2 oder RC3)». Die Empfehlung umfasst also zwei Klassen und nicht eine, und welche der beiden gemeint ist, entscheidet sich an der Lage der Öffnung und am Schutzbedarf, den die Tabelle daran knüpft.
In der Gesamtübersicht auf Seite 24 wird die Klasse mit der Norm zusammengeführt. Für Wohnbereiche mit normalem Schutzbedarf heisst es dort, es seien «Geprüfte, einbruchhemmende Bauteile der Widerstandsklasse RC 2 nach SN EN 1627 eingesetzt», für gehobene Wohn- und Geschäftsbereiche entsprechend «RC 3 nach SN EN 1627». Das ist die Stelle, an der die Klassenbezeichnung und ihre Rechtsgrundlage in derselben Zeile stehen. Was daraus für eine bestehende Tür folgt, an der nur einzelne Teile ergänzt werden, steht im Eintrag zum Nachrüsten von Einbruchschutz an der Tür.
Das Wort zertifiziert in derselben Broschüre
An anderer Stelle bezeichnet die Broschüre Betriebe als SWS-zertifizierte Mitglieder. Herausgeberin der einzigen publizierten Schweizer RC-Einsatzempfehlung ist damit ein privatrechtlicher Verein und keine Behörde, und die Kantonspolizei Zürich und die Polizei Kanton Solothurn verlinken die Broschüre trotzdem weiter. Woran eine Aufnahme in diesen Verein hängt und was seine Mitgliederliste deshalb belegt, ist im Eintrag über das Verzeichnis der Einbruchschutz-Betriebe beschrieben.
Damit trägt derselbe Wortstamm in derselben Publikation zwei Bedeutungen. Beim Bauteil bezeichnet er das Ergebnis eines Prüfverfahrens nach der Norm. Beim Betrieb bezeichnet er eine Vereinsmitgliedschaft, über die ein Vorstand entscheidet. Für die Klassenangabe an Ihrem Fenster ist die erste Bedeutung massgeblich, und sie steht im Prüfzeugnis des Bauteils.
Das ist keine Aussage über die Arbeit der Mitglieder und keine über den Verein, der seine Rechtsform in den Statuten selbst offenlegt. Es geht nur darum, dass ein Wort in derselben Broschüre zweimal etwas anderes bedeutet.
Häufiger Irrtum
Heruntergelassene Storen sichern die Fenster über Nacht gegen Einbruch.
Seite 13 der Broschüre von Sicheres Wohnen Schweiz sagt das Gegenteil. Der Wortlaut dort: «Herkömmliche Lamellenstoren haben grundsätzlich keine einbruchhemmende Wirkung. Sie dienen dem Sicht- und Sonnenschutz. Stabile Holz- oder Aluminiumläden bieten einen gewissen Schutz, sofern sie korrekt verschlossen und deren Sicherungshaken von aussen nicht zugänglich sind. Nur geprüfte und widerstandsklassifizierte Rollläden bieten einen entsprechenden Einbruchschutz.» In der Aufzählung der klassierbaren Produktgruppen stehen denn auch Rollläden und Rollgitter, nicht Lamellenstoren. Wer in der Schweiz von Storen spricht, meint meist genau das Bauteil, dem die Broschüre die Wirkung abspricht.
Gilt das auch in Deutschland?
- Deutschland
- Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes nennt auf polizei-beratung.de die Normfamilie DIN EN 1627ff. als einschlägig für einbruchhemmende Türen und Fenster bei Neu- und Umbauten und empfiehlt als Mindeststandard die Widerstandsklasse RC 2. Diese Angabe stammt aus der Zusammenfassung eines Seitenabrufs vom 28. August 2026, nicht aus einer Lektüre des Seitentexts Zeile für Zeile.
- Schweiz
- Die Klassenreihe ist dieselbe europäische Norm, in der Schweiz als SN EN 1627 eingeführt. Der Unterschied liegt bei der Stelle, die die Empfehlung trägt: In Deutschland ist es die Präventionsstelle der Polizei selbst, in der Schweiz die Broschüre eines privatrechtlichen Vereins, die Kantonspolizeien weiterverlinken. Ausgewertet wird polizei-beratung.de im Lexikon noch an drei weiteren Stellen, jeweils auf eine andere Frage hin: auf die Benennung mit dem Präfix DIN im Eintrag zu den SN-EN-Normen, auf die Normgrundlage für Nachrüstprodukte im Eintrag zum Nachrüsten an der Tür und auf die Verzeichnisfrage im Eintrag über die Einbruchschutz-Betriebe.
Quelle [9]
Verwandte Begriffe
Zurück zur Übersicht aller Begriffe·Passende Leistung ansehen
Quellen
- [1]Kantonspolizei Zürich: Empfehlungen zur Einbruchprävention und Sicherungstechnik, Verlinkung der Broschüre «Gegen Einbruch kann man sich schützen», abgerufen 28.08.2026
- [2]Polizei Kanton Solothurn: Themenseite Einbruch, Ratgeber mit Verlinkung derselben Broschüre von Sicheres Wohnen Schweiz, abgerufen 28.08.2026
- [3]Schweizerische Kriminalprävention SKP: Riegel vor! 7 Tipps, wie Sie Ihr Heim gegen Einbruch schützen sollten, 3. Auflage, 20 Seiten, Juni 2021
- [4]Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF: Vorschriften und Publikationen, geprüft ohne Fund einer Zuordnung von Widerstandsklassen zu Einsatzbereichen, abgerufen 28.08.2026
- [5]Verein Sicheres Wohnen Schweiz SWS: Gegen Einbruch kann man sich schützen. Einbruchhemmende Massnahmen, 24 nummerierte Seiten, Klassentabelle sowie Seiten 13 und 24, März 2026
- [6]Verein Sicheres Wohnen Schweiz SWS: Statuten, Art. 1, Rechtsform als Verein im Sinne von Art. 60 ff. ZGB, 05.07.2018
- [7]Schweizerische Normen-Vereinigung SNV: Normenkatalog, Eintrag SN EN 1627:2021 zur Einbruchhemmung, Anforderungen und Klassifizierung, Katalogeintrag ohne Normvolltext, abgerufen 28.08.2026
- [8]Verband für Einbruch- und Gebäudeschutz Schweiz VEGS: Website und Statuten, geprüft ohne Fund einer eigenen Einsatzempfehlung zu Widerstandsklassen, abgerufen 28.08.2026
- [9]Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Themenseite Technische Sicherheit im Bereich Einbruch, ausgewertet als Zusammenfassung des Seitenabrufs, abgerufen 2026-08-28
Stand:
Dieses Lexikon wird von einem Betrieb herausgegeben, der einbruchhemmende Bauteile verkauft und montiert. Die Klassenbezeichnungen und die Einsatzempfehlung in diesem Eintrag stammen deshalb ausschliesslich aus der genannten Broschüre und nicht aus einer eigenen Einschätzung.
Auf einem Datenblatt oder in einer Offerte steht die Klassenangabe oft an unerwarteter Stelle. Wer die Unterlagen zum Termin mitbringt, geht sie mit uns durch, bis feststeht, worauf sich die Klasse im Dokument bezieht.