Fenstergitter als Kaufkriterium
In der Schweiz beurteilen Sie ein Fenstergitter an seiner Befestigung und an seinem Werkstoff. Eine Einbruch-Widerstandsklasse verlangt die Sprengstoffverordnung an einer einzigen Stelle, in Art. 78 Abs. 2, und dort für die Aussentür eines Sprengmittellagers. Dem Gitter am Lüftungskanal desselben Baus gibt Anhang 8.2 der Verordnung stattdessen ein Mass.
Kurzfassung
- Im Katalog der Schweizerischen Normen-Vereinigung trägt SN EN 1627:2021 die SIA-Nummer 343.201, und unter den Bauteilen ihres Titels steht das Wort «Gitterelemente». Was ihr Geltungsbereich im Wortlaut erfasst, steht im kostenpflichtigen Volltext.
- In derselben SIA-Unterreihe steht SN EN 1522:1999 als SIA 343.221 mit dem Titel «Fenster, Türen, Abschlüsse - Durchschusshemmung - Anforderungen und Klassifizierung». Gitterelemente führt dieser Titel nicht.
- Die Broschüre von Sicheres Wohnen Schweiz verlangt auf Seite 11 geprüfte und fachgerecht montierte Gitter und gesicherte Schrauben. Woran das Wort geprüft dort gemessen wird, lässt sie offen.
- Die Schweizerische Kriminalprävention nennt auf Seite 9 ihrer Broschüre von Juni 2021 die Verankerung im Mauerwerk und lösungshemmende Spezialschrauben und verweist für die Stärke der Stäbe auf eine Fachperson.
- Art. 78 Abs. 2 der Sprengstoffverordnung verlangt für die Aussentür eines Sprengmittellagers eine Widerstandsklasse, Art. 75 Abs. 2 mit Anhang 8.2 für das Gitter am Lüftungskanal ein Mass.
In der Schweiz
Der Schweizer Rechtsanschluss der Einbruchhemmung liegt an einer Stelle, an der ihn beim Fenster niemand sucht. Der Normenkatalog der Schweizerischen Normen-Vereinigung hinterlegt zu SN EN 1627:2021 ein Rechtsbezugsfeld, und dieses nennt als Schweizer Bundesamt FEDPOL und als Schweizer Recht die Nummer 941.411. Dahinter steht die Sprengstoffverordnung vom 27. November 2000, hier gelesen im Stand vom 1. Januar 2024, abgerufen am 3. September 2026 über den Filestore der Systematischen Rechtssammlung. Ihr Art. 78 Abs. 2 lautet: «Die Aussentüren müssen mindestens der Einbruch-Widerstandsklasse 5 nach europäischer Vornorm (ENV) 1627 und der Anforderung EI60 gemäss den Brandschutzvorschriften der VKF entsprechen und vierseitig einen verdeckten Anschlag haben.» Es gibt also eine schweizerische Vorschrift, die eine Einbruch-Widerstandsklasse verlangt, und sie gilt für Lager- und Magazingebäude für Sprengmittel. Für ein Wohnhaus gilt sie nicht. Das Rechtsbezugsfeld des Katalogs zeigt damit auf das Sprengstoffrecht und auf keine Bauvorschrift, und das ist eine Angabe des Katalogs über eine Erlassnummer, keine Angabe über den Inhalt der Norm.
Der Titel nennt das Gitter, der Geltungsbereich bleibt im gekauften Text
Der Katalogsatz zu SN EN 1627:2021, im Schweizer Normenwerk zugleich SIA 343.201, führt in seinem Titel neben Türen, Fenstern, Vorhangfassaden und Abschlüssen auch «Gitterelemente». Damit steht das Gitter im Gegenstand derselben Norm, die den Klassen ihre Bezeichnung gibt. Welche Klassen das sind und wer sie in der Schweiz welchem Einsatzbereich zuordnet, steht im Eintrag zu den Widerstandsklassen RC.
Belegt ist mit dem Katalogsatz zweierlei, und beides gehört auseinandergehalten. Erstens der durchsuchte Katalogtitel, den der Normenshop am 3. September 2026 in dieser Form ausliefert, mit Ausgabedatum 1. Januar 2022, dem Status Aktuell, den ICS-Nummern 13.310 und 91.060.50, dem SIA als Herausgeber und dem nationalen Komitee SIA/BK 33. Zweitens der Wortlaut des Geltungsbereichs, also die Ziffer der Norm, in der steht, welche Bauteile sie nach welchen Bedingungen erfasst; dieser Wortlaut wurde für dieses Lexikon nicht erworben und fehlt hier deshalb.
Streng genommen belegt ein Katalogsatz die Existenz einer Norm, ihre Bezeichnung, ihre Ausgabe und die Bauteilgruppen, die ihr Titel aufzählt. Ob ein bestimmtes Gitter unter diesen Titel fällt, entscheidet der Geltungsbereich, und ob es seine Klasse trägt, entscheidet das Prüfzeugnis des einzelnen Bauteils.
Dieselbe SIA-Unterreihe, ein anderer Anwendungsbereich
Wie wenig aus der Nachbarschaft zweier Nummern folgt, zeigt ein zweiter Katalogsatz aus derselben Unterreihe. SN EN 1522:1999 trägt die SIA-Nummer 343.221 und heisst im Katalog «Fenster, Türen, Abschlüsse - Durchschusshemmung - Anforderungen und Klassifizierung», Ausgabedatum 1. Mai 1999, Status Aktuell, abgerufen am 3. September 2026. Die Aufzählung im Titel endet bei den Abschlüssen; Gitterelemente kommen darin nicht vor.
Beide Dokumente teilen den Herausgeber SIA, beide tragen dieselben zwei ICS-Nummern 13.310 und 91.060.50, und beide liegen in der SIA-Unterreihe 343.2. Die Bauteile, die sie erfassen, sind dennoch verschieden aufgezählt. Aus der Zugehörigkeit zu einer Reihe folgt für ein Gitter deshalb nichts; massgebend ist die einzelne Aufzählung im einzelnen Titel.
Ein zweiter Unterschied liegt in einem Feld, das der Katalog nur bei einem der beiden Sätze führt. Zu SN EN 1627:2021 steht ein Rechtsbezug mit FEDPOL und 941.411, zu SN EN 1522:1999 steht dieses Feld nicht. Auch das ist eine Angabe des Katalogs über die Erlasslage und keine über den Norminhalt.
Was die beiden Schweizer Präventionshefte am Gitter verlangen
Die Broschüre des Vereins Sicheres Wohnen Schweiz vom März 2026 führt das Gitter auf der gedruckten Seite 11 unter einer eigenen Überschrift und mit einer eigenen Zeile im Inhaltsverzeichnis. Der ganze Abschnitt lautet dort: «Geprüfte und fachgerecht montierte Fenstergitter bieten einen wirksamen Einbruchschutz, besonders für nicht bewohnte Räume (Nasszellen, Waschküchen, Kellerräume).» Und weiter: «Von aussen zugängliche Schrauben müssen gesichert sein.»
Die Schweizerische Kriminalprävention, eine interkantonale Fachstelle der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren, beschreibt das Bauteil auf der gedruckten Seite 9 ihrer Broschüre von Juni 2021 zuerst nach seinem Zweck: «Fenstergitter schützen Fenster, die nicht einbruchshemmend ausgeführt werden können, z. B. weil ein erhöhter Bedarf zum Lüften besteht und das Fenster wiederholt geöffnet ist.» Zur Ausführung hält sie fest: «Fenstergitter müssen im Mauerwerk verankert und mit lösungshemmenden Spezialschrauben fest verschraubt sein.»
Für die Stärke der Stäbe gibt dieselbe Stelle keine Zahl, sondern eine Adresse: «Damit die Stäbe dick genug und der Abstand zwischen den Längsstäben nicht zu gross ist, sollten Sie auch hier einen Experten um Rat fragen.» Eine amtliche Präventionsstelle bezeichnet die beiden Angaben also als Fachfrage und überlässt sie der Beratung.
Jedes Merkmal, das die beiden Schweizer Präventionshefte in ihren Abschnitten zum Fenstergitter nennen, betrifft die Ausführung des Bauteils und seine Befestigung im Mauerwerk.
Die eine Stelle der Verordnung, an der eine Klasse steht
Art. 78 der Sprengstoffverordnung regelt die Türen von Lager- und Magazingebäuden. Sein Abs. 2 verlangt für die Aussentüren die Einbruch-Widerstandsklasse 5, dazu die Brandschutzanforderung EI60 nach den Vorschriften der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen und einen vierseitig verdeckten Anschlag. Das ist keine Empfehlung einer Broschüre, sondern eine Bestimmung des Verordnungsrechts, und sie gilt für ein Gebäude, in dem Sprengmittel liegen.
Über den ganzen Erlass gerechnet, am amtlichen Volltext im Stand vom 1. Januar 2024, kommt das Wort Widerstandsklasse genau einmal vor, und zwar in diesem Absatz. Die Verordnung ordnet damit der Aussentüre eine Klasse zu und dem Gitter, das sie an anderer Stelle verlangt, keine.
Zur Klassenangabe gehört an dieser Stelle ihre Fassung. Der Erlass verweist auf die europäische Vornorm (ENV) 1627, und die Fussnote zum Absatz weist ihn als «Fassung gemäss Ziff. I der V vom 12. Mai 2010, in Kraft seit 1. Juli 2010» aus, amtlich publiziert in AS 2010 2229. Der Normenkatalog führt zu dieser Nummer zwei Ausgaben, SN EN 1627:2021 als aktuelle und SN EN 1627:2011 als zurückgezogene.
Das Gitter, dem die Verordnung ein Mass gibt
Dasselbe Gebäude hat nach Art. 75 Abs. 1 ausser der Eingangstüre und den Lüftungskanälen keine Öffnung. Für diese Kanäle bestimmt Abs. 2: «Sie müssen belüftet sein. Lüftungskanäle sind Z-förmig und nach innen ansteigend anzulegen.» Aussen und am Übergang zum steigenden Schenkel sind sie nach demselben Absatz «fest zu vergittern», und die äussere Öffnung bekommt zusätzlich eine Schutzkappe.
Bemerkenswert an dieser Anordnung ist, was an die Stelle der Klassenangabe tritt. Für die Aussentüre nennt die Verordnung eine Norm und eine Klasse. Für das Gitter am Lüftungskanal verweist sie auf die Anhänge 8.2 und 9.1, und Anhang 8.2 beziffert das Bauteil in einer einzigen Zeile: «Schutzgitter: Stahldraht X 2 mm: Maschenweite 10 mm».
Für den Kauf eines Fenstergitters ist das die brauchbare Unterscheidung. Eine Klassenangabe gehört zu einem geprüften Bauteil und steht in dessen Prüfzeugnis. Wo eine Schweizer Vorschrift ein Gitter selbst beschreibt, tut sie es über den Werkstoff, den Drahtdurchmesser und die Maschenweite, und damit über Angaben, die auf einer Offerte nachlesbar sind.
Häufiger Irrtum
Wenn ein Erlass eine Norm nennt, ist damit die heute geltende Ausgabe dieser Norm gemeint.
Art. 78 Abs. 2 der Sprengstoffverordnung nennt die europäische Vornorm (ENV) 1627. Diese Nennung geht nach der Fussnote zum Absatz auf die Änderung vom 12. Mai 2010 zurück, in Kraft seit dem 1. Juli 2010. Im Normenkatalog steht heute SN EN 1627:2021, gültig ab dem 1. Januar 2022, mit der Ausgabe von 2011 als zurückgezogener Vorgängerin. Eine ENV-Ausgabe führt die Ausgabengeschichte des Katalogs zu dieser Nummer nicht. Die Bezeichnung im Erlass und die Bezeichnung im Katalog stimmen also nicht überein, und wiedergegeben gehört die Bezeichnung, die im Erlass steht. Eine Wiedergabe der Stelle mit dem heutigen Kürzel RC 5 gibt den Wortlaut der Verordnung nicht wieder.
Verwandte Begriffe
Quellen
- [1]Schweizerische Eidgenossenschaft: Sprengstoffverordnung vom 27. November 2000, SR 941.411, Stand 1. Januar 2024, Art. 75 Abs. 1 und 2, Art. 78 Abs. 2 samt Fussnote 116 sowie Anhang 8.2; abgerufen über den Filestore der Systematischen Rechtssammlung, Stand 01.01.2024, abgerufen 03.09.2026
- [2]Schweizerische Kriminalprävention SKP: Riegel vor! 7 Tipps, wie Sie Ihr Heim gegen Einbruch schützen sollten, 3. Auflage, 20 Seiten, gedruckte Seite 9 zum Fenstergitter, Juni 2021, abgerufen 03.09.2026
- [3]Verein Sicheres Wohnen Schweiz SWS, Olten: Gegen Einbruch kann man sich schützen. Einbruchhemmende Massnahmen, 24 nummerierte Seiten, Abschnitt Fenstergitter auf der gedruckten Seite 11 und dessen Zeile im Inhaltsverzeichnis, März 2026, abgerufen 03.09.2026
- [4]Schweizerische Normen-Vereinigung SNV: Normenkatalog, Katalogsatz SN EN 1627:2021, zugleich SIA 343.201, mit Titel, Ausgabedatum und Gültigkeit ab 1. Januar 2022, Status, Dokumenttyp EN, ICS 13.310 und 91.060.50, Herausgeber und Lieferant SIA, nationales Komitee SIA/BK 33, Ausgabengeschichte mit SN EN 1627:2011 und Rechtsbezugsfeld mit FEDPOL und 941.411, ohne Normvolltext; abgerufen über die deutschsprachige Katalogseite, abgerufen 03.09.2026
- [5]Schweizerische Normen-Vereinigung SNV: Normenkatalog, Katalogsatz SN EN 1522:1999, zugleich SIA 343.221, mit Titel, Ausgabedatum und Gültigkeit ab 1. Mai 1999, Status, Dokumenttyp EN, ICS 91.060.50 und 13.310, Herausgeber und Lieferant SIA, ohne Rechtsbezugsfeld und ohne Normvolltext; abgerufen über die deutschsprachige Katalogseite, abgerufen 03.09.2026
Stand:
Der zweite Schritt im Ablauf, den der Herausgeber dieses Lexikons auf seiner Website beschreibt, heisst Sicherheitscheck und kündigt eine Prüfung von Türen, Fenstern und Nebeneingängen auf Schwachstellen an. An anderer Stelle sagt dieselbe Website zu, alle nötigen Nachweise über VdS und RC-Klasse für die Versicherung auszustellen. Ein Fenstergitter, das in diesem Leistungsverzeichnis an keiner Stelle vorkommt, gehört nicht zum Sortiment des Betriebs. Die Angaben dieses Eintrags stammen deshalb aus den genannten Quellen und aus keiner eigenen Einschätzung.
Auf einer Offerte für ein Gitter steht selten, worauf sich das Wort geprüft bezieht. Bringen Sie die Unterlagen zum Termin mit, dann gehen wir mit Ihnen durch, worauf sich jede Angabe darin bezieht.