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Schliesstechnik

Ausfallverhalten elektronischer Schliesssysteme

Was ein elektronisches Schliesssystem bei leerer Batterie tut, hängt vom einzelnen Produkt ab und steht in der Schweiz selten öffentlich. Die Solothurner Glutz AG sagt für ihre E-Zylinder einen jederzeit möglichen mechanischen Weg über den Innenknauf zu; eine amtliche Vorgabe zum Stromausfall führt die VKF-Brandschutzrichtlinie 16-15de, und zwar für automatische Schiebetüren im Fluchtweg.

Kurzfassung

  • Glutz beschreibt für die eigenen E-Zylinder zwei getrennte Wege: von aussen das berührungslose Lesen eines RFID-Mediums und danach das Drehen des Knaufes, von innen den mechanischen Drehknopf.
  • Assa Abloy hält für die Produktlinie KESO eCLIQ fest, dass Zylinder und Schlüssel je einen integrierten Chip tragen. Damit trägt auch der Schlüssel Elektronik, und die Ausfallfrage betrifft zwei Bauteile statt eines.
  • dormakaba führt «Batteriefreie Zylinder und Schlösser» als eigene Produktkategorie neben den elektronischen Zylindern. Belegt sind damit der Kategoriename und die eine Beschreibungszeile, die dormakaba ihm mitgibt.
  • Solange nicht schriftlich feststeht, wo in einem angebotenen System die Batterie sitzt, bleibt offen, welches Bauteil bei erschöpfter Batterie zuerst seine Funktion verliert.

  • Jede Angabe auf dieser Seite gilt für einen Hersteller, ein benanntes Produkt und den Abrufstand vom 29. August 2026, nie für den Markt insgesamt.

In der Schweiz

Eine amtliche Schweizer Vorgabe zum Verhalten bei Stromausfall besteht, aber sie gilt einem anderen Bauteil. Die Brandschutzrichtlinie «Flucht- und Rettungswege» der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen, 16-15de vom 01.01.2017 mit Stand 01.12.2022, ordnet im Anhang zu Ziffer 2.5.5 auf Seite 21 das Stromausfallverhalten automatischer Schiebetüren nach deren Schutzziel an; den Wortlaut und die beiden gegenläufigen Anordnungen führt der eigene Eintrag zur automatischen Türe im Fluchtweg. Für die hier behandelten Bauteile bleibt daneben eine Frage stehen. Gilt dieselbe Ordnung auch für eine batteriebetriebene Zutrittstüre ohne Fluchtwegfunktion? Der geprüft vorliegende Volltext beantwortet das an keiner Stelle: Im ganzen Dokument kommt «Stromausfall» dreimal vor, «elektrisch» zweimal, während «Batterie», «Zutritt», «Verriegelung», «Notstrom» und «elektronisch» null Mal vorkommen. Getragen wird diese Zählung von einem einzigen Dokument, dem 35 Seiten langen Volltext der geltenden Richtlinie 16-15de, Stand 01.12.2022. Er regelt den Fluchtweg und spricht für die batteriebetriebene Zutrittstüre keine Erlaubnis aus. Eine Brandschutzbehörde kann am einzelnen Objekt eine Auflage verfügen, die in keiner Richtlinie steht, und ob die kostenpflichtigen Bauteilnormen zum Ausfall etwas anordnen, ist hier ungeprüft geblieben. Was ein Betrieb zum Ausfall eines elektronischen Zylinders wissen will, steht deshalb in Herstellerunterlagen und in der Vereinbarung mit dem Anbieter.

Schnitt durch eine Zutrittstüre: wo die Energie sitztWaagrechter Schnitt durch eine mit einem elektronischen Zylinder gesicherte Türe, von aussen nach innen Schnitt mit 4 Lagen von aussen nach innen: Aussenseite: Knauf mit Leser für das RFID-Medium (Herstellerangabe Glutz), Glutz AG, Produktseite E-Zylinder, abgerufen 29.08.2026: Das Öffnen und Schliessen von aussen erfolgt über das berührungslose Lesen des RFID-Mediums und das anschliessende Drehen des Knaufes.; Elektronikteil des Zylinders im Türblatt (Batteriesitz der ersten Bauart), Bauart 1: Die Energie sitzt im Bauteil an der Türe. Glutz bezeichnet die eigenen E-Zylinder auf derselben Seite als batteriebetriebene elektronische Zylinder.; Mechanischer Kern des Zylinders und Einsteckschloss (Herstellerangabe Assa Abloy, 29.08.2026), Bauart 2: Assa Abloy hält zu KESO eCLIQ fest, dass Zylinder und Schlüssel jeweils einen integrierten Chip tragen und daneben die gewohnten mechanischen Sicherheitsfunktionen bestehen.; Innenseite: mechanischer Drehknopf (Weg ohne Lesevorgang), Glutz, gleiche Seite und gleiches Abrufdatum: Über den mechanischen Drehknopf auf der Innenseite ist eine Öffnung und Schliessung jederzeit gewährleistet. Die Angabe gilt diesem Produkt.. Masse: Weg von aussen: Lesevorgang und Knaufdrehung, Energie aus dem Zylinder (Glutz, 29.08.2026), Weg von innen: mechanischer Drehknopf, laut Glutz jederzeit gewährleistet, Bauart 2 verteilt die Elektronik auf Zylinder und Schlüssel (KESO eCLIQ, 29.08.2026), Bauart 3 batteriefrei: bei dormakaba als eigene Produktkategorie geführt, mit dem Schlüssel als benanntem Träger der Verbindung.Waagrechter Schnitt durch eine mit einem elektronischen Zylinder gesicherte Türe, von aussen nach innenHerstellerangabe GlutzAussenseite: Knauf mit Leser für dasRFID-MediumGlutz AG, Produktseite E-Zylinder, abgerufen 29.08.2026:Das Öffnen und Schliessen von aussen erfolgt über dasberührungslose Lesen des RFID-Mediums und dasanschliessende Drehen des Knaufes.Batteriesitz der ersten BauartElektronikteil des Zylinders im TürblattBauart 1: Die Energie sitzt im Bauteil an der Türe. Glutzbezeichnet die eigenen E-Zylinder auf derselben Seite alsbatteriebetriebene elektronische Zylinder.Herstellerangabe Assa Abloy,29.08.2026Mechanischer Kern des Zylinders undEinsteckschlossBauart 2: Assa Abloy hält zu KESO eCLIQ fest, dassZylinder und Schlüssel jeweils einen integrierten Chiptragen und daneben die gewohnten mechanischenSicherheitsfunktionen bestehen.Weg ohne LesevorgangInnenseite: mechanischer DrehknopfGlutz, gleiche Seite und gleiches Abrufdatum: Über denmechanischen Drehknopf auf der Innenseite ist eine Öffnungund Schliessung jederzeit gewährleistet. Die Angabe giltdiesem Produkt.Weg vonaussen:LesevorgangundKnaufdrehung,Energie ausdem Zylinder(Glutz,29.08.2026)Weg voninnen:mechanis-cherDrehknop-f, lautGlutzjederzeitgewährle-istetBauart 2verteilt dieElektronikauf Zylinderund Schlüssel(KESO eCLIQ,29.08.2026)Bauart 3batterie-frei: beidormakabaalseigeneProduktk-ategoriegeführt,mit demSchlüsselalsbenanntemTrägerderVerbindu-ng
Schnitt durch eine Zutrittstüre: wo die Energie sitzt

Innen und aussen sind beim E-Zylinder zwei getrennte Wege

Auf der Produktseite zu ihren E-Zylindern hält die Glutz AG in Solothurn wörtlich fest: «Die E-Zylinder von Glutz gewährleisten den unkomplizierten Zugang ohne Schlüssel. Das Öffnen und Schliessen von aussen erfolgt durch das berührungslose Lesen des RFID-Mediums und das anschliessende Drehen des Knaufes. Über den mechanischen Drehknopf auf der Innenseite ist eine Öffnung/Schliessung jederzeit gewährleistet.» Das ist eine Herstellerangabe zum eigenen Produkt, abgerufen am 29. August 2026 und im Wortlaut geprüft.

Die Aussage trägt für eine Richtung. Von innen kommt der Vorgang nach dieser Beschreibung ohne Lesevorgang aus und damit ohne Energie aus der Batterie. Von aussen bleibt das berührungslose Lesen des RFID-Mediums Voraussetzung. Dieselbe Seite bezeichnet die Bauteile ausdrücklich als batteriebetriebene elektronische Zylinder und nennt sie für Innen- und Aussentüren geeignet.

Der Sitz der Batterie unterscheidet zwei Bauarten

Aus den geprüften Herstellerbeschreibungen lässt sich eine Unterscheidung ziehen, und sie trägt vor einer Beschaffung mehr als jede Einzelangabe. Bei einem batteriebetriebenen Zylinder sitzt die Energie im Bauteil an der Türe. Der Batteriewechsel ist damit eine Wartungsaufgabe mit einem Termin, und die Ausfallfrage lautet, was bei versäumter Wartung geschieht. Glutz beschreibt seine E-Zylinder in dieser Weise.

Assa Abloy hält auf der Produktseite zur Linie KESO eCLIQ wörtlich fest: «CLIQ® besteht aus wenigen Komponenten, die sehr hohe elektronische und mechanische Sicherheit in sich vereinen. Bei dem CLIQ® System haben Zylinder und Schlüssel jeweils einen integrierten Chip, bieten aber dennoch die gewohnten mechanischen Sicherheitsfunktionen.» Herstellerangabe von Assa Abloy zur eigenen Produktlinie, abgerufen am 29. August 2026, im Wortlaut geprüft.

Elektronik liegt bei dieser Bauart in beiden Bauteilen. Die Frage nach der Energieversorgung betrifft damit auch den Schlüssel, den eine Nutzerin bei sich trägt. Welches der beiden Bauteile die Energie liefert, geht aus der Produktseite nicht hervor und gehört deshalb in die Anfrage an den Anbieter.

Eine dritte Bauart trägt bisher eine Kategoriezeile

dormakaba ordnet die eigene Produktnavigation unter «Zutritt und Zeit» und führt dort neben «Elektronische Zylinder» und «Elektronische Türbeschläge und Türschlösser» die Kategorie «Batteriefreie Zylinder und Schlösser». Der Kategoriename selbst ist eine Herstellerangabe, abgerufen am 29. August 2026, und er belegt, dass mindestens eine Linie kategorisch ohne Batterie auskommt. Dazu stellt dormakaba eine einzige Zeile: «Über den skyra Schlüssel verbunden mit der App für Zutrittskontrolle von überall und jederzeit.»

Für eine Beschaffung heisst das zunächst wenig. Die Zeile benennt den Schlüssel als Träger der Verbindung, sie benennt aber weder die Quelle, aus der ein batterieloses Bauteil seine Energie bezieht, noch das Verhalten, das der Hersteller für den Fall zusichert, dass diese Quelle ausbleibt. Beides gehört in dieselbe Anfrage wie die Frage nach dem Batteriesitz bei den batteriebetriebenen Linien.

Wo der Abruf endete und was auf den Seiten fehlte

Über vier Herstellerauftritte hinweg, auf denen weder eine Batterielaufzeit in Monaten oder Jahren noch eine Warnschwelle vor dem Ausfall stand, ergibt sich für diese Seite eine schmale Beleglage. An der Erreichbarkeit lag das nicht. Die Produktseite von Glutz gab einem einfachen HTTP-Client rund 6000 Zeichen Fliesstext, die Produktseite zu KESO eCLIQ rund 1400, die Kategorieübersicht von dormakaba rund 4500 und der Schweizer Auftritt von DOM unter dom-security.com/ch/de rund 3100. Erst die Trefferlisten hinter den Produktkategorien werden im Browser gefüllt: Auf der DOM-Kategorieseite zu den digitalen Zylindern stehen im ausgelieferten Markup an ihrer Stelle noch die Platzhalter der Vorlage.

Wie weit trägt ein solcher Befund? Er gilt dem, was am 29. August 2026 auf diesen vier öffentlichen Auftritten mit einem einfachen HTTP-Client zu lesen war, und keinem Satz darüber hinaus. Glutz unterhält ein eigenes Download-Center, DOM verweist auf der Schweizer Seite auf den Fachhandel, und ein technisches Datenblatt oder eine Ausschreibungsunterlage aus diesen Wegen kann die fehlende Zahl sehr wohl führen.

Daneben bleibt eine zweite Frage offen. Auf keinem der vier Auftritte wird behandelt, wie sich ein cloudbasiertes System verhält, wenn der Server oder ein Software-Update ausfällt. Bei einer Anlage, deren Berechtigungen zentral verwaltet werden, gehört diese Zusicherung in den Vertrag, weil sie die Verfügbarkeit einer ganzen Liegenschaft betrifft.

Wartung und Lebensdauer treffen hier auf eine zweite Achse

Ein mechanischer Zylinder verliert seine Funktion allmählich, und die Herstellerunterlagen dazu handeln von Reinigung und von Austauschkriterien; der Eintrag zu den Störungen an Schloss, Zylinder und Türe führt sie einzeln auf. Bei einem batteriebetriebenen Bauteil kommt ein Termin dazu, den allein der Wartungsplan trägt.

Damit bekommt die Übergabe einer elektronischen Anlage eine Aufgabe, die eine rein mechanische Anlage nicht kennt: Die Zuständigkeit für den Batteriewechsel und sein Abstand gehören in eine Vereinbarung zwischen Bestellerin und Unternehmer. Wie lange eine elektronische Anlage insgesamt hält und wer die Kosten trägt, wenn sie im Mietverhältnis ersetzt wird, behandelt der Eintrag zur Lebensdauer einer elektronischen Schliessanlage.

Die Frage, die vor der Unterschrift schriftlich gestellt gehört

Aus den vier Abrufen zusammen ergibt sich kein herstellerübergreifendes Bild, und ein solches liesse sich aus öffentlichen Produktseiten auch nicht zusammensetzen. Was sich daraus ergibt, ist eine Anfrage an den Anbieter. Jeder Anbieter kann sie für sein eigenes System beantworten, und vor der Beschaffung sollte sie schriftlich beantwortet sein.

Auf einer Offerte für eine elektronische Anlage steht in aller Regel das Fabrikat und der Preis je Türe. Was dort selten steht, ist der Gegenstand, um den es auf dieser Seite geht: der Sitz der Batterie im angebotenen System und das Bauteil, das bei erschöpfter Batterie zuerst seine Funktion verliert.

Häufiger Irrtum

Bei leerer Batterie lässt sich ein elektronischer Zylinder immer von innen öffnen.

Diese Zusicherung liegt für ein Produkt vor und ist dort wörtlich nachlesbar: Glutz nennt für die eigenen E-Zylinder den mechanischen Drehknopf auf der Innenseite, über den eine Öffnung und Schliessung jederzeit gewährleistet sei. In den für diesen Eintrag geprüften Auftritten von dormakaba, Assa Abloy und DOM steht keine entsprechende Aussage, und aus der Angabe eines Herstellers folgt nichts für das Bauteil eines anderen. Massgebend ist die Unterlage zum konkret angebotenen Produkt.

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Quellen

  1. [1]Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF): Brandschutzrichtlinie «Flucht- und Rettungswege» 16-15de, Anhang zu Ziffer 2.5.5, Abschnitt «Automatische Schiebetüren», Seite 21; dazu die eigene Stichwortzählung im Volltext, 01.01.2017, Stand 01.12.2022, am lokalen Volltext geprüft 2026-09-03
  2. [2]Glutz AG, Solothurn: Produktseite «E-Zylinder» (Herstellerangabe zum eigenen Produkt, Zitat am Original im Wortlaut geprüft; Bezeichnung «batteriebetriebene elektronische Zylinder» auf derselben Seite), abgerufen 2026-08-29
  3. [3]ASSA ABLOY, Produktlinie KESO eCLIQ: Produktseite zur Linie KESO eCLIQ im Produktkatalog dach.assaabloy.com (Herstellerangabe, Zitat am Original im Wortlaut geprüft; der Fliesstext der Seite ist mit einem einfachen HTTP-Client lesbar), abgerufen 2026-08-29
  4. [4]dormakaba: Kategorieübersicht «Zutritt und Zeit» mit den Kategorien «Elektronische Zylinder», «Elektronische Türbeschläge und Türschlösser» und «Batteriefreie Zylinder und Schlösser», je mit einer einzeiligen Beschreibung (Herstellerangabe, serverseitig ausgeliefert; die Trefferliste der einzelnen Produkte wird erst im Browser gefüllt), abgerufen 2026-08-29
  5. [5]DOM Schweiz AG: Schweizer Auftritt und Kategorieseite «Digitale Zylinder», abgerufen mit curl, Status 200 bei 45 719 beziehungsweise 45 028 Byte (Herstellerangabe zum eigenen Auftritt; die Produktliste der Kategorieseite wird erst im Browser gefüllt), abgerufen 2026-08-29

Stand:

Die Beratung vor der Beschaffung einer elektronischen Anlage findet in aller Regel bei jenem Betrieb statt, der sie anschliessend plant und montiert, und diese Lage betrifft den Herausgeber dieses Lexikons unmittelbar: Er plant und montiert Schliessanlagen und führt sich in der eigenen Leistungsbeschreibung als zertifizierter Partner von KESO, DOM und dormakaba, also von drei der vier hier abgerufenen Hersteller. Eine Wertung zwischen diesen Herstellern steht deshalb auf dieser Seite nicht, und jede Angabe bleibt dem genannten Produkt und dem Abrufdatum zugeordnet.

Vor einer Offerte klären wir mit Ihnen, wo im angebotenen System die Batterie sitzt und was der Hersteller für den Ausfallfall schriftlich zusichert. Die Antwort halten wir im Schliessplan fest, damit sie beim nächsten Wartungstermin noch auffindbar ist.